Wege aus der Einsamkeit, Teil 1

Wer sich der Einsamkeit ergibt,
Ach! der ist bald allein;
Ein jeder lebt, ein jeder liebt
Und läßt ihn seiner Pein.

Johann Wolfgang von Goethe

Was ist Einsamkeit?

Für mich ist Einsamkeit das Gefühl, dass man ganz alleine ist, dass niemand da ist, der einem zuhört, der einen unterstützt, versteht oder liebt. Das Gefühl kann man auch haben, wenn man sich mitten unter Menschen aufhält. Gerade dann trifft es am tiefsten. Deswegen kann es dazu führen, dass man sich mehr und mehr von Menschen fernhält.

Es gibt immer wieder Zeiten, in denen wir uns alleine fühlen. Ich kann mich noch sehr gut an den Anfang eines Gedichtes erinnern, das ich im Alter von elf oder zwölf Jahren schrieb und im Innern vor mich hersang, als ich alleine durchs Dorf lief: „Ich bin so einsam und verlassen und wand’re einsam durch die Gassen“. Das Gefühl der Einsamkeit saß sehr tief.

Auch im Erwachsenenalter kann sich immer wieder mal das Gefühl der Einsamkeit zeigen und einschleichen. Wenn man es schleifen lässt, kann es so ungehindert mehr Fahrt aufnehmen und zu einer ausgewachsenen Depression führen.

Wenn wir – bewusst oder unbewusst – immer wieder denselben Gedanken denken oder hören, entsteht daraus ein Glaubenssatz, der für uns zur Basis unseres weiteren Handelns und Denkens wird.

Das kannst Du gut mit einem Zug vergleichen: Sobald ein Zug Fahrt aufgenommen hat, ist es nicht mehr so einfach, ihn zu stoppen. Hier gilt es die Weichen zu verstellen, also unser Denken zu verändern.

Heute möchte ich Dir den ersten Schritt auf dem Weg aus der Einsamkeit heraus aufzeigen. Es folgen weitere sechs Schritte.

1. Der Wunsch

Möchtest Du überhaupt Veränderung? Die Frage klingt vielleicht zuerst abwegig – Wer ist schon gerne einsam oder depressiv? Aber aus eigener Erfahrung und in meiner Arbeit mit meinen Klienten ist es keine Seltenheit, dass viele alte Glaubenssätze in unserem System aktiv sind, die dafür verantwortlich sind, dass das Ego das Alleinesein als die Lösung all unserer Probleme sieht. Das geht meist im Unterbewussten vor sich.

Wie findest Du also heraus, ob Dein Ego wirklich aus dem Gefühl der Einsamkeit und der Depression herauskommen will?

Hier ist eine Methode, die immer funktioniert:

Das Körperpendel

Du kannst mithilfe Deines Körpers Deiner Seele Ja/Nein-Fragen stellen.

  • Stelle Dich dazu gerade hin und formuliere Deine Frage. In dem Fall also: „Will mein Ego wirklich aus dem Gefühl der Einsamkeit und Depression heraus?“
  • Beobachte Deinen Körper. Bewegt er sich nach vorne, so heißt das: Ja, Dein Ego möchte die Veränderung ebenfalls. Bewegt sich der Körper nach hinten, so ist Dein Ego noch nicht bereit für Veränderung.

Ist Dein Ego bereit für Veränderung?

Herzlichen Glückwunsch! Das zu erkennen ist schon Grund zu feiern, denn durch diese Erkenntnis hat sich eine Tür geöffnet.

In der kommenden Woche wirst Du Dinge erleben, Gedanken denken und auf Sachen, Texte, Lieder etc. aufmerksam gemacht, die alle mit dem Thema Veränderung und Wege raus aus der Einsamkeit zu tun haben. Das kann sich bei jedem anders äußern: Du kannst vermehrt Schmetterlinge oder andere Symbole der Veränderung wahrnehmen; Du kannst den Wunsch verspüren, auf die eine oder andere Art und Weise mehr unter Menschen gehen zu wollen (der Wunsch an sich kann dann schon Zeichen der Veränderung sein); plötzlich triffst Du auf Menschen, die Du lange nicht gesehen hast oder sie melden sich bei Dir etc. Du wirst Zeichen sehen. Schau Dich nach ihnen um und schreibe sie auf.

Was aber kannst Du tun, wenn Dein Ego keine Veränderung will?

1. Triff eine Entscheidung.

Es ist Dein Leben. Dein Ego ist nicht der Chef vom Ganzen, Du bist es. Einsamkeit und Depression sind beides kein Zeichen von Freude und Leichtigkeit. Wie willst Du leben? Willst Du Dich weiterhin schlecht fühlen? Dann entscheide Dich ganz dafür und stehe zu Deiner Entscheidung. Dazu gehört dann auch, dass Du Dich nicht über Deine Einsamkeit beklagst, denn Du hast sie selber gewählt.

Das Gute an Entscheidungen ist. Man kann jederzeit eine andere Entscheidung treffen. Wenn Du also merkst, dass die Einsamkeit doch nicht das Gelbe vom Ei ist, entscheide Dich einfach, den Weg aus der Einsamkeit heraus zu gehen. Klingt einfach? Ist es auch.

2. Frage Dich: „Was habe ich davon?“

Das Ego tut nichts ohne Grund. Es ist Zeit, ein wenig tiefer zu graben.

Tipp:
Sei dabei locker. Öffne Dich der Möglichkeit, dass Du alle Antworten, die Du brauchst, auf die ein oder andere Weise erhalten wirst.

Was bringt Dir die Einsamkeit?

Es gibt da die verschiedensten Antworten, zum Beispiel:

Du brauchst Dich nicht mit anderen Menschen abzusprechen.
Wenn Du für Dich bist, hat niemand die Möglichkeit Dich zu verletzen.
Du kannst nicht belogen werden.
Du kannst andere nicht verletzen oder belügen.
Keiner redet Dir in Dein Leben rein.

Und dergleichen mehr. Was ist es bei Dir? Es sind auch Mehrfachantworten möglich.

Nutze das Körperpendel, um alle Gründe zu finden. Stelle Deinem Körper Ja/Nein-Fragen: Wenn Du einen Grund gefunden hast, frage Dich: „Gibt es noch einen weiteren Grund?“. Wenn die Antwort Ja ist, öffne Dich dafür, den weiteren Grund zu empfangen. Gehe sanft und verspielt in den Prozess. Je verspielter Du bist, desto einfacher ist es.

Und was machst Du mit den Gründen?

Frage Dich, ob Dich das von einem glücklichen Zusammensein mit anderen Menschen weiterhin abhalten soll.

Wenn es darum geht, dass Du Angst davor hast, was Du anderen Menschen antun kannst, dann hilft es, Dich dafür zu öffnen, achtsamer im Umgang mit Dir und anderen Menschen zu sein. Das alleine wird schon viel in Deinem Leben verändern.

Wenn Du nicht mehr verletzt werden willst, halte Dir vor Augen, dass Du jetzt in einem andauernden unterschwelligen Schmerz lebst.

Wenn Du Dich einer Beziehung öffnest, öffnest Du Dich auch der Möglichkeit der Freude.

Beachte aber, dass Freude aus Dir heraus kommen muss.

Gehst Du eine Beziehung jeglicher Art mit dem Wunsch ein, etwas zu fühlen, was Du jetzt nicht fühlst, wirst Du unweigerlich früher oder später gegen eine Wand laufen.

3. Bist Du bereit?

Wenn Du Dir alle Gründe, warum Dein Ego die Einsamkeit vorzieht, bewusst gemacht hast und Dich für die Möglichkeit eines Miteinanders entscheidest, dann sage jetzt (oder wenn Du alleine bist) so bestimmt, dass Du spürst, dass Du es wirklich meinst, laut: „Ich bin bereit!“

Gegen Ende der Artkelserie widmen wir uns den Glaubenssätzen und ich zeige Dir eine wunderbar leichte und sehr transformierende Art, Glaubenssätze ganz schnell aufzulösen.

Mögest Du aus Deiner Einsamkeit herauswollen, das wünsche ich Dir.

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