Wege aus der Einsamkeit, Teil 2

Viele Missverständnisse entstehen dadurch,
dass ein Dank nicht ausgesprochen,
sondern nur empfunden wird.
Ernst R. Hauschka

Gestern hatte ich den Impuls, den Nachmittag mit meinen Töchtern zu verbringen. Ich habe vier erwachsene Töchter. Wir hatten in der Vergangenheit die ein oder andere WhatsApp-Gruppe mit allen, die dann im Laufe der Zeit auseinanderbröselten, weil die eine oder andere die Gruppe aus den unterschiedlichsten Gründen verlassen hatte. Also gründete ich gestern wieder eine WhatsApp-Gruppe und fragte die vier, ob sie denn Zeit und Lust hätten. Die Reaktionen waren so unterschiedlich, wie das Verhältnis zwischen den einzelnen Töchtern und mir. Sie reichten von einem begeisterten „Au ja!“ bis hin zu einem „Nein“ meiner ältesten Tochter und ihrem Verlassen der Gruppe.

Am Ende war ich dann mit meiner zweitjüngsten Tochter und meiner Enkelin unterwegs und wir verbrachten eine herrliche Zeit am See. Allerdings stellte sie mir direkt am Anfang eine Frage, die nachwirkte und mich beschäftigte. Sie fragte mich: „Wenn Du nur einen Grund nennen könntest, warum zwei Deiner Töchter gar nichts mit Dir zu tun haben möchten, was würdest Du sagen? Ich frage nur, damit mir dasselbe nicht mit meiner Tochter passiert.“

Meine erste Reaktion war, dass es mehr als einen Grund hatte. Abends wurde mir dann klar, dass das nicht stimmte. Ich wusste plötzlich, worauf meine Tochter achten kann, damit ihr Verhältnis zu ihrer Tochter ein gutes bleibt, und das schrieb ich ihr dann auch später:

Stelle sicher, dass sie sich von Dir gesehen fühlt, stelle sicher, dass sie sich von Dir geliebt fühlt.

Und das gilt für jede Beziehung, die Du führst. Es ist ganz egal, ob Du bemerkt hast, dass Dein Freund sich rasiert hat. Wenn Du das nicht (liebevoll) kommentierst, fühlt er sich nicht gesehen. Es ist egal, ob Du weißt, dass Du Dein Kind liebst, ganz egal, welche Noten es schreibt. Wenn Du zu einer Note nichts sagst, fühlt es sich ignoriert. Und dabei ist es egal, was für eine Note es war.

Erkennst Du Dein Gegenüber an, egal ob Kind, Partner, Bruder, Elternteil, Chef etc., kommt eine positive Bewegung in die Beziehung, wird die Beziehung genährt.

Dasselbe gilt auch für die Beziehung zu Dir selber: Sobald Du Dich für Dein Leben, Deine Entscheidungen, Deine Erfolge anerkennst, nährst Du Dich selber.

Das ist so wichtig, wie der Sonnenstrahl auf der Haut. Mit dieser Anerkennung kommt die Energie Deines Systems wieder in Schwung. Mit diesem Schwung kommst Du weiter und aus so manch tiefgetretener Gewohnheitsspur wieder raus.

Fehlen Anerkennung und gezeigte Liebe, versiegt die Kommunikation und jeder geht über kurz oder lang seine eigenen Wege.

Was bedeutet das für Dich und Deinen Weg aus der Einsamkeit heraus?

Trainiere den Anerkennungsmuskel. Je öfter Du ihn anwendest, desto schneller geschieht Anerkennung ganz automatisch. Und diese Anerkennung bringt ganz viel in Schwung.

Gehe bewusst durch Deinen Tag und fokussiere Dich darauf, zu sehen, was alles gut gelaufen ist. Womit bist Du zufrieden? Und wenn Du mit scheinbaren Kleinigkeiten beginnst: Du bist aufgestanden. Du hast dir die Zähne geputzt und Dich gewaschen. Du hast das Bett gemacht. Du hast bemerkt, dass all das nicht selbstverständlich ist. Dir war die Sonne bewusst, und wie schön sie sich für Dich angefühlt hat. Du hast Dich total entspannen können, als Du Dein Lieblingslied gehört hast … Was auch immer es ist. Erkenne Dich an!

Wenn Du wach wirst, und Deinen Partner betrachtest, während er oder sie noch schläft, und du Dir einfach nur denkst, wie glücklich Du bist, sage es ihr oder ihm, wenn er wach ist. Dein Kind kommt nach Hause und Du spürst, dass etwas nicht stimmt – nimm Dir die Zeit, gehe auf das Kind zu und sprich mit ihm. Wenn Dein Kind gut gelaunt ist, sag ihm, wie schön es ist, ihn oder sie so freudestrahlend zu sehen. Was auch immer es ist, was Dir auffällt: Sage es laut.

Achte auf die Interaktionen mit Deinem Mitmenschen: Der Fremde, der Dir die Vorfahrt überlässt – bedanke Dich bei ihm mit einem Winken, oder Lächeln usw.. Die Kassiererin, die sich freundlich mit Dir unterhält, während sie Deinen Einkauf scannt – wünsche ihr einen schönen Tag und meine, was Du sagst. Die Verkäuferin, die schlecht gelaunt das Schuh-Display neu richtet – erkenne auch sie an und wünsche ihr, dass der Rest des Tages besser werden möge, als das, was sie scheinbar bislang erlebt hat. Die junge Frau, die Dir die Tür aufhält, lächle sie freundlich und anerkennend an. Der alte Mann, der mit seinem Rollator am Zebrastreifen steht – halte an, und bedeute ihm, dass er die Straße überqueren kann …

Es gibt jeden Tag unzählige positive Begebenheiten mit anderen Menschen, die es zu erkennen und anerkennen gilt. Fang damit an.

Und erkenne auch Dich an!

Diese Übung wird noch verstärkt, wenn Du Deine Erkenntnisse niederschreibst.

Wenn sich Dir auch hier Glaubenssätze zeigen, schreibe sie auf. Ich werde Dir im sechsten Teil dieser Artikelserie zeigen, wie Du sie auflösen kannst.

Mögest Du Dich und andere anerkennen und diese Anerkennung auch äußern, das wünsche ich Dir.

Wege aus der Einsamkeit

Teil 1

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Teil 6

Teil 7

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