Warum es für uns Frauen wichtig ist, mit unseren Erfahrungen mit Männern in Frieden zu kommen

Für das Ego ist eine gute Beziehung eine Beziehung, in der im Grunde der Partner sich so verhält, wie wir es wollen und uns niemals antriggert. Wenn aber die Beziehung dazu dient, unser Wachstum zu unterstützen, dann ist sie auf vielen Ebenen genau dazu da. Sie zwingt uns aus unserer begrenzten Toleranz und aus unserer Unfähigkeit, bedingungslos zu lieben.

Marianne Williamson

Meine Vorstellung einer erfüllenden Beziehung ist u. a. die, dass mein Partner und ich offen sind und verletzlich. Gleichberechtigt. Jeder gibt dem anderen den Raum, zu sein, wer er ist, ohne zu bewerten. Jeder gibt dem anderen nicht nur den Raum, um sich der besten Version seiner Selbst anzunähern, sondern unterstützt ihn/sie dabei, diesen Weg auch zu gehen. Und jeder strebt danach, die beste Version seiner/ihrer Selbst zu sein.

Selbst, wenn wir sie nicht bewerten wollen – wir Frauen haben unsere Erfahrungen mit Männern gemacht. Viele gute Erfahrungen, aber auch Erfahrungen, die es erschweren, Männern unvoreingenommen gegenüberzutreten.

Selbst, wenn wir vom Kopf aus sagen, dass alles okay ist – in unseren Emotionen und im Unterbewussten sind all die Momente abgespeichert, in denen wir durch Männer Leid erfahren haben.

Es ist Zeit, das loszulassen und zu vergeben. Nicht nur den Männern, sondern auch uns.

Nicht nur, dass die Rolle des Opfers uns nicht steht, sie ist auch falsch. Wir sind keine Opfer und waren es auch nie.

Und das schreibe ich aufgrund meiner eigener Erfahrung:

Ich habe seit ich ca. drei Jahre alt war die unterschiedlichsten „negativen“ Erfahrungen mit Männern gemacht: Die Reihenfolge war: Vergewaltigung; Exhibitionismus; ein Mann, der sich bei einer „normalen“ Umarmung an mir rieb, bis er kam, als ich noch gar nicht wusste, was er da tat; Hand aufs Knie als ich per Anhalter unterwegs war; bis hin zum im bekifften Kopf mit meinem damaligen Freund schlafen, und nur am Rande mitbekommend, dass sein Freund folgte und uns zuschaute.

Das meiste hatte ich mehr oder weniger vollkommen verdrängt.

Heute weiß ich, dass ich all diese Erfahrungen machte, um für mich mit dem Thema Mann und Sexualität in Frieden zu kommen. Meine positiven Erfahrungen mit Männern haben mir dabei sehr geholfen. Nicht nur die vielen Männer, die mich im Laufe meines Lebens als Brüder, Freunde und Kollegen begleiteten, auch und vor allem meine Ehemänner.

Jeder hatte seine eigene Lernaufgabe und seine eigenen Geschenke für mich im Gepäck.

Durch meinen ersten Ehemann lernte ich das Leben in den USA kennen. Er schenkte mir meine drei jüngsten Töchter. Jede einzelne ein Geschenk für sich. Und jede einzelne hat ihre eigenen Lernaufgaben für mich mitgebracht.

Mein zweiter Ehemann schenkte mir Freundschaft und ein Zuhause und ganz viel Raum, meinen Geschäftssinn zu entdecken und auszuleben. So wurde ich darauf vorbereitet, mich selber zu entdecken und meinen Weg zu gehen. Eine der Lernaufgaben bestand darin, zu erkennen, dass dieser Weg ohne ihn als Ehemann weitergehen würde.

Mein dritter Ehemann schenkte mir schon vor knapp dreißig Jahren meine älteste Tochter. Auch sie ist Geschenk und Lernaufgabe in einem. Unsere Wege hatten sich 26 Jahre lang getrennt, erst 2015 kamen sie auf magische Art und Weise wieder zusammen. Durch ihn ist ganz viel Altes und Vergrabenes in mir in Frieden gekommen. Bevor es in Frieden kommen konnte, musste es aber erst mal geborgen und ans Licht gebracht werden. Dabei half er auf ganz vielen unterschiedlichen Ebenen. Der Prozess war oft weder einfach noch schön. Er hat wehgetan. Er hat Dinge ans Tageslicht gebracht, die ich so gut verdrängt hatte, dass ich gar nicht wusste, dass sie in mir waren.

Und er hat dazu geführt, dass ich zu mir selber fand und mich in all meinem Schmerz und meiner Unvollkommenheit sah und mich trotzdem liebte. Und so hat Ehemann Nummer drei mir das größte Geschenk gemacht: meine Selbstliebe. Durch ihn habe ich Liebe das erste Mal in meinem Leben richtig er-leben können. Und dadurch, dass sich unsere Wege dann sehr plötzlich wieder trennten, hatte ich die Gelegenheit, diese Liebe immer mehr auf mich selber zu lenken.

Ich erkenne mittlerweile meinen Schmerz und meine Rolle auf unserem Weg an. Und ich danke ihm aus tiefster Seele und aus tiefstem Herzen. Ich weiß, dass es auch für ihn nicht leicht war.

Meine Vorstellung einer erfüllenden Beziehung enthält aber auch jede Menge Spaß und Lebensfreude, ein Sich-fallen-lassen-Können im Augenblick, ein gemeinsames Genießen des Augenblicks.

Und dazu gehört, diese Erfahrungen als das zu sehen, was sie sind: Hilfestellungen, um genau an diesen Punkt der tiefen Freude und des Friedens in mir selber zu kommen.

Alles, was geschieht, geschieht, um uns zu helfen und dabei zu unterstützen, zu unserem ureigenen inneren Frieden zu kommen.

Das geht nicht, wenn wir die Vergangenheit bewusst oder unbewusst im Gepäck mitschleppen.

Das geht nicht, wenn wir im Opfer-Täter-Denken verharren.

Es geht nur, wenn wir Verantwortung übernehmen, vergeben und dankbar sind.

Und wenn Du ein Mann bist, gilt für Dich dasselbe: Du musst erst mit den Frauen in Deinem Leben und Deiner Rolle in diesen Beziehungen in Frieden kommen, bevor Du den Frieden in Dir findest.

Mögest Du den Frieden in Dir finden, das wünsche ich Dir.

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