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Offene Sprechstunde 21.02.2019

Eigentlich findet die Offene Sprechstunde ja jeden Donnerstag um 19 Uhr live auf meinen persönlichen Feed auf Facebook statt. Dabei spreche ich über ein bestimmtes Thema. Entweder alleine oder mit einem Gesprächspartner und die Zuschauer haben Gelegenheit, Fragen zu stellen und von ihren eigenen Erfahrungen zu berichten.

Heute ist wieder Donnerstag, aber heute wird aus der Offenen Sprechstunde eine Offene Schreibstunde.

Die letzten paar Tage waren nicht nur energetisch sehr intensiv, sondern auch körperlich. Bei mir zeigt es sich in meinem Halsbereich, so dass ich momentan nur sehr angestrengt sprechen kann.

Passenderweise steht dies in engem Zusammenhang mit einem meiner Lebensthemen: Meine eigene Stimme finden und aussprechen, was mir auf der Seele und am Herzen liegt.

Das Thema hat bei mir seine Ursache in einem Trauma, das ich als Kind erlebt hatte: Mein Großvater hatte mich jahrelang sexuell missbraucht, als ich ein ganz kleines Mädchen war. Es begann, als ich gerade zwei Jahre alt war und es hörte vier Jahre später auf, als wir Duisburg verließen. Faszinierenderweise und Gott sei Dank, war es mir bis vor vier Jahren noch gar nicht bewusst.

Der Schutzmechanismus unserer Seele ist schon ein Wunderwerk an und in sich.

In den ersten drei, dreieinhalb Jahren, nachdem es wieder ins Bewusstsein kam, habe ich meine Zeit u. a. damit verbracht, mein System so umzustrukurieren, dass ich das Geschehene mental einsortieren und „verstehen“ konnte. Auch da kamen schon Gefühle hoch, aber der Fokus war darauf gerichtet, die Puzzleteile, die sich zeigten, zu einem Bild zusammenzufügen.

Dadurch hat sich mein Leben im Außen automatisch auch sehr verändert.

Dann verschob sich der Prozess ganz allmählich vom Begreifen ins Fühlen. Emotionen, die ich knapp 50 Jahre lang sehr tief gestopft hatte, und die die letzten drei Jahre nutzen, um eine Schicht nach der anderen nach oben zu kommen, zeigten sich immer mehr. Und immer spontaner. Mein Leben im Innern veränderte sich sehr. So geschah es dann auch letzte Woche bei der Offenen Sprechstunde, dass sich plötzlich vor laufender Kamera Tränen zeigten.

In mir rangen Scham und mein Wunsch nach Authentizität, mich ganz zu zeigen. Die Scham wollte, dass ich das Video abbreche, bzw. es nicht veröffentliche. Der Mut in mir gewann die Schlacht. Der Kampf selber ist noch unentschieden, denn geteilt habe ich das Video noch nicht.

Ich erzähle aus mehreren Gründen von meinem Missbrauch. Zum einen aus Selbstfürsorge heraus.

Es ist Selbstfürsorge, dem Drachen in die Augen zu sehen und zu lernen, dabei ruhig zu bleiben und neue Blickwinkel einzunehmen. Zum einen den, dass der Drache nicht gefährlich und „böse“ ist. Dazu dienten u. a. die letzten dreieinhalb Jahre. Ich wäre nicht die Frau, die ich heute bin, ohne diese Erfahrungen. Und ich bin eine starke Frau, voller Mut, die im Laufe der letzten fünf Jahre ihre Stimme gefunden hat und sie immer wieder nutzt, um das zu sagen, was ihr als Kind nicht möglich war. Und dafür erkenne ich mich an.

Anerkennung ist ein anderer Grund, warum ich darüber spreche. Ich erkenne an, dass es geschehen ist. Ich erkenne (an), welche Spuren es in meinem Leben und in dem meiner Kinder hinterlassen hat. Ich erkenne an, wie sich diese Spuren auch heute noch in unserem Alltag zeigen. Ich erkenne an, wie ich damit umgehe. Ich erkenne an, dass ich den Weg aus der Ohnmacht hin zur Eigenmacht gegangen bin und ihn immer noch gehe, indem ich Verantwortung für mein Leben und meine Taten übernehme.

Der Hauptgrund aber ist, dass ich weiß, dass ich leider nicht alleine bin.

Es gibt so viele Frauen, die missbraucht wurden. Einige im Kindesalter, andere später. Es gibt leider immer noch viele Mädchen und Frauen, die auch heute noch missbraucht werden. Und ich bin mir sehr sicher, dass es für die Jungs und Männer nicht viel anders aussieht. Dabei ist es relativ irrelevant, ob es sexueller, körperlicher oder sonstiger emotionaler Missbauch war.

Wenn der Missbrauch in der eigenen Familie stattfindet, ist es noch ein wenig perfider. Zum einen denkt das Kind, es sei normal. Zum anderen wird das Vertrauen in die Familie geschwächt, bzw. zerstört. Ich fühlte mich zum Beispiel immer sehr alleine, auf mich gestellt.

Und so gibt es zahllose Menschen, die sich alleine fühlen, auf sich gestellt, ohnmächtig. All jenen will ich zeigen, dass es möglich ist, aus eigener Kraft aus dieser Ohnmacht herauszukommen.

Du bist aber nicht ohne Macht!
Deine Macht liegt in Dir.

Das zu erkennen und diese innere Macht für Dich zu nutzen, ist das Wichtigste, was Du in Deinem Leben tun kannst.

Anzuhalten. Innezuhalten. Aufzumerken. Bewusst zu sein.

Dir Deiner eigenen Macht bewusst zu sein.

Damit ändert sich alles. Dein ganzes Leben erhält einen neuen Blickwinkel, ein neues Bewusstsein, eine neue Bahn.

Dieses Bewusstsein ist für mich das Wissen, dass ich nicht nur aus meinem Körper und meinen Gedanken bestehe. Auch wenn dies die einzig „greifbaren“ Dinge sind. Dass Gefühle und vor allem der Geist (Spirit) gehören mit dazu.

Gefühle hatte ich durch meine Erlebnisse sehr meisterhaft verdrängt. Ich kann mich sehr gut an einen Satz meiner Tochter erinnern, den sie vor einigen Jahren sagte: „Mama, ich habe Dich nur einmal weinen sehen, und das war, als Oma starb und ich nachts ins Wohnzimmer kam.“ Das hat sich sehr geändert, so dass eine Freundin erst letzte Woche zu mir sagte: „Ich wünschte, ich könnte auch so spontan losweinen.“ 🙂

Gefühle wollen gefühlt werden. Solange wir sie nicht fühlen, verdrängen wir nicht nur diese Gefühle, sondern auch die Energie, die daran hängt.

Das heißt aber nicht, dass sie weg ist. Diese Energie ist noch da und pulsiert in uns. Sehr unbewusst und unbemerkt. Aber diese Energie zieht solange gleiche Energien an, bis wir die dahinterliegenden Gefühle fühlen und somit loslassen. Wenn wir es nicht tun, entstehen so diese berühmten selbsterfüllenden Prophezeiungen. Das ist das Gesetz der Anziehung in Reinform.

Der Geist, Spirit, Energie, geistige Welt, innere Stimme, Intuition, wie auch immer Du es nennen willst, ist das, was mir primär geholfen hat, mich meiner eigenen Macht zu besinnen.

Ich möchte Dir nächste Woche in der Offenen Sprechstunde von den Wegen und Techniken erzählen, die mir aus meiner gefühlten Ohnmacht heraushalfen und auch heute immer wieder heraushelfen.

Ich freue mich, wenn Du live dabei bist, Fragen stellst und/oder von Deinen eigenen Erfahrungen und Techniken berichtest. Denn wir sind viele und zusammen sind wir noch stärker. Stelle Deine Scham und Deine Glaubenssätze in die Ecke und zeig Dich.

Bis nächsten Donnerstag!

2 Gedanken zu „Offene Sprechstunde 21.02.2019

  1. Liebe Iris
    deine Impulse und Worte und damit natürlich auch du begleiten mich seit Monaten..
    Danke dir dafür
    …. Bin immer noch nicht bereit für offene Sprechstunde

    Lasse mir Zeit bin ich mir wert

    Ja der März und die die letzten Tage und Wochen hatten es in sich!
    waren auch für mich, mit sehr energetischen Prozessen verbunden
    … 10 Portal Tage Ende puhh
    ZEIT zum entspannen wünsche ich dir und innere Stille
    Liebe Grüße Bianca

  2. Liebe Bianca,

    ganz lieben Dank auch hier für Deine Zeilen und Deine Wünsche! Es ist schön, dass Du Dir die Zeit und den Raum gibst, den Du benötigst. Höre einfach weiter auf Deine innere Stimme.

    Ganz liebe Grüße
    Iris

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