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Meine Töchter und ich

Als ich 2014 immer öfter Ja zu mir sagte und immer mehr darauf hörte, was ich wollte, und tat, was gut für mich war, begann eine Zeit, die meine Beziehung zu meinen Töchtern sehr belastete. Die Jüngste war 16, die älteste 25.

Damals war ich voller Scham und Selbstvorwürfe, weil ich in all den Jahren vorher die Firma meist meinen Kindern vorgezogen hatte. Diese Schuldgefühle waren mit ein Grund, warum ich den Kindern damals viele Respektlosigkeiten habe durchgehen lassen.

Als ich mich mir selber zuwandte und anfing, mir meine Themen anzuschauen und anfing, sie zu heilen, machte ich zum ersten Mal in meinem Leben mich selber zur Priorität. Nicht die Arbeit. Nicht die Kinder. Nicht den Partner. Nicht die Hunde. Sondern mich.

Es war schwer, denn die Schuldgefühle waren lange mein treuer Begleiter.

Es war schwer, denn die Kinder wussten, welche Register sie ziehen mussten, um diese Schuldgefühle immer wieder zu aktivieren.

Was mir half, war das Wissen, dass selbst, wenn ich mir meine Themen nicht anschaue und heile, meine Töchter und Enkelkinder die unaufgelösten Themen zu lösen haben.

Das wollte ich nicht.

Und so machte ich weiter, auch als es von Vorwürfen meiner Töchter nur so hagelte, und sie mir sagten, dass sie mich nicht mehr kannten.

Ich machte weiter, selbst als sich ein Kind nach dem anderen von mir abwandte und bis auf eines nicht mehr mit mir sprach.

Ich machte weiter und heilte eine Wunde nach der anderen.

In mir.

Im Familiensystem

Ich machte weiter und sagte meinen Kindern, dass ich mich nicht mehr verbiegen würde, mich nicht mehr verleugnen würde, nur um die Erwartungen anderer zu erfüllen. Auch dann nicht, wenn diese Anderen meine eigenen Kinder sind.

Ich machte weiter und stellte meinen Kindern frei, mich neu kennenzulernen und mich so anzunehmen, wie ich bin.

Ich machte weiter.

Für mich.

Für sie.

Ich machte weiter in der Hoffnung, dass sie durch mein Verhalten lernten, dass nichts wichtiger ist, als ihr eigenes Wohlbefinden.

Ich machte weiter in der Hoffnung, dass sie dadurch lernten, sich von niemandem emotional erpressen zu lassen.

Ich machte weiter in der Hoffnung, dass sie lernten, andere Menschen zu akzeptieren wie sie sind, ohne sie ändern zu müssen.

Heute ist der Weg zwischen meinen Töchtern und mir immer noch teilweise mit ein paar Schlaglöchern versehen. Teilweise ist noch ein „Durchfahrt verboten“-Schild aufgebaut. Wir sind aber schon einen weiten Weg gekommen. Viele Schlaglöcher wurden schon gefüllt und das „Durchfahrt verboten“-Schild wird immer wieder mal zur Seite gestellt.

Mit einigen meiner Töchter hatte ich sehr offene und heilsame Gespräche. Ich bin unendlich dankbar für die neue Qualität, die neue Tiefe, die unsere Beziehung teilweise ausmacht. Ich fühle mich sehr gesegnet und bin unendlich stolz auf meine Töchter und meine Enkelinnen. Und auf mich.

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